Netzwerkgilt für Windows 11, Linux, FRITZ!Box
Wie wecke ich einen PC per Wake on LAN auf?
Ein Rechner im Heimnetz soll sich aus der Ferne einschalten lassen, etwa der Medienserver im Keller oder der Arbeitsrechner, bevor man sich per Fernwartung verbindet. Wake on LAN ist in der Netzwerkkarte eingebaut, aber der Rechner reagiert nicht. Was muss wo eingeschaltet sein?
Lösung
Kurz: Wake on LAN braucht drei Dinge: die Funktion im BIOS oder UEFI, eine Netzwerkkarte, die im ausgeschalteten Zustand lauscht, und ein Magic Packet an ihre MAC-Adresse. Am zuverlässigsten klappt es über ein Netzwerkkabel. Unter Windows zusätzlich „Schnellen Start“ abschalten.
1. BIOS oder UEFI
Die Option heißt je nach Mainboard „Wake on LAN“, „Power On By PCI-E“ oder ähnlich und steckt meist unter Energie- oder Power-Management. Gibt es dort einen Stromsparmodus wie „ErP“ oder „Deep Sleep“, der im ausgeschalteten Zustand die Stromversorgung der Netzwerkkarte abschaltet, muss er aus. Sonst kann die Karte das Magic Packet nicht empfangen.
2. Netzwerkkarte unter Windows 11
- Geräte-Manager öffnen, unter Netzwerkadapter die kabelgebundene Karte doppelklicken.
- Reiter Erweitert: „Wake on Magic Packet“ auf „Aktiviert“ stellen. Diesen Reiter liefert der Treiber des Herstellers, Name und Umfang der Einträge schwanken deshalb, manchmal fehlt die Option ganz.
- Reiter Energieverwaltung: „Gerät kann den Computer aus dem Ruhezustand aktivieren“ anhaken, dazu die Option, die das Aufwecken auf Magic Packets beschränkt. Deren Wortlaut unterscheidet sich je nach Treiber.
- In der Systemsteuerung unter Energieoptionen → Auswählen, was beim Drücken von Netzschaltern geschehen soll den Haken bei „Schnellen Start aktivieren (empfohlen)“ entfernen. Mit schnellem Start ist „Herunterfahren“ in Wahrheit ein Ruhezustand, nach dem Microsoft Wake on LAN nicht unterstützt. Manche Geräte wachen trotzdem auf, verlassen kann man sich darauf nicht.
3. Netzwerkkarte unter Linux
Ob die Karte Wake on LAN kann und ob es an ist, zeigt ethtool. Den Namen der Karte liefert ip link:
ethtool enp3s0 | grep Wake-on
Die Zeile „Supports Wake-on“ nennt, was die Karte kann, die Zeile „Wake-on“ darunter, was eingeschaltet ist.
Ein g steht für das Magic Packet, ein d für aus. Mit NetworkManager bleibt die
Einstellung dauerhaft im Verbindungsprofil, den Namen der Verbindung liefert
nmcli connection show:
sudo nmcli connection modify "Kabelgebundene Verbindung 1" 802-3-ethernet.wake-on-lan magic
sudo nmcli device reapply enp3s0
Die zweite Zeile wendet das geänderte Profil sofort an, sonst greift es erst nach dem nächsten Neustart.
4. Magic Packet senden
Dafür braucht man die MAC-Adresse des Zielrechners. Unter Windows zeigt sie getmac /v, unter
Linux ip link.
- FRITZ!Box: Unter Heimnetz → Netzwerk → Netzwerkverbindungen beim Gerät auf „Bearbeiten“, im Abschnitt „Wake on LAN“ gibt es die Schaltfläche Computer starten. Über MyFRITZ! lässt sich die Oberfläche auch von unterwegs öffnen und dieselbe Schaltfläche drücken.
- Linux: Paket
wakeonlaninstallieren, dannwakeonlan AA:BB:CC:DD:EE:FF. - Python, ohne Zusatzpaket, zum Beispiel vom Raspberry Pi aus:
import socket
mac = "AA:BB:CC:DD:EE:FF"
paket = bytes.fromhex("FF" * 6 + mac.replace(":", "") * 16)
with socket.socket(socket.AF_INET, socket.SOCK_DGRAM) as s:
s.setsockopt(socket.SOL_SOCKET, socket.SO_BROADCAST, 1)
s.sendto(paket, ("255.255.255.255", 9))
Das Magic Packet besteht aus sechsmal dem Byte FF, gefolgt von sechzehnmal der MAC-Adresse. Meist wird es als UDP-Broadcast an Port 9 oder 7 geschickt. Vorgeschrieben ist das nicht, die Netzwerkkarte sucht nur nach dem Muster im Paket.
Nachträge
Warum wacht der Rechner aus dem Standby auf, aber nicht aus dem ausgeschalteten Zustand?
Meist ist es der schnelle Start von Windows oder ein Stromsparmodus wie ErP im BIOS. Nach dem Herunterfahren ist die Netzwerkkarte dann stromlos. Ein Blick auf die Buchse hilft: Leuchtet am ausgeschalteten Rechner keine LED am Netzwerkanschluss, lauscht die Karte nicht.
Geht Wake on LAN über WLAN?
Nur mit passender Hardware. „Wake on Wireless LAN“ funktioniert nur, wenn WLAN-Karte, Treiber und Firmware es gemeinsam unterstützen. Aus dem Standby klappt es häufiger, aus dem ausgeschalteten Zustand nur bei Geräten, die die WLAN-Karte dafür ausdrücklich weiter mit Strom versorgen. Für einen Rechner, der zuverlässig geweckt werden soll, gehört ein Netzwerkkabel dazu.
Kann ich den Rechner über das Internet wecken?
Ein Broadcast verlässt das Heimnetz nicht. Der einfachste Weg führt über die FRITZ!Box: Über MyFRITZ! öffnet man ihre Oberfläche von unterwegs und drückt dort „Computer starten“, das Magic Packet schickt dann die FRITZ!Box im Heimnetz ab. Alternativ verbindet man sich per VPN ins Heimnetz und schickt das Magic Packet von dort.
Quellen
- ethtool(8): Manpage mit den Wake-on-Optionen
- NetworkManager: nm-settings, 802-3-ethernet.wake-on-lan
- Microsoft Learn: Wake on LAN (WOL)-Verhalten in Windows
- Microsoft Learn: getmac
- AMD: Magic Packet Technology (White Paper 20213, PDF)
- FRITZ!: Netzwerkgerät über das Internet starten (Wake on LAN)
- Debian-Manpage: wakeonlan(1)
- Python: socket-Modul